Katzengesundheit

Katze kastrieren: Kastrationspflicht in Österreich

Wer in Österreich eine Katze ins Freie lässt, muss sie kastrieren lassen. Was die Pflicht umfasst, wann der richtige Zeitpunkt ist und wie der Eingriff abläuft.

In Österreich müssen alle Katzen, die regelmäßig ins Freie dürfen, kastriert werden, egal ob Kater oder Kätzin. Ausgenommen sind nur Zuchtkatzen einer gemeldeten Zucht, die gechippt und in der Heimtierdatenbank registriert sind. Der übliche Zeitpunkt liegt um den Beginn der Geschlechtsreife, häufig mit etwa fünf bis sechs Monaten, und in jedem Fall vor dem ersten Freigang.

Dieser Ratgeber erklärt die Rechtslage in Österreich und Deutschland, den passenden Zeitpunkt, den Ablauf bei Kater und Kätzin und worauf Sie danach achten. Einen Überblick über Impfung, Chip und Vorsorge finden Sie unter Katzengesundheit.

Warum es die Kastrationspflicht gibt

Eine Kätzin kann mehrmals im Jahr Junge bekommen, und auch ihre Nachkommen werden schon im ersten Lebensjahr geschlechtsreif. Unkastrierte Freigänger tragen so zu großen Populationen verwilderter Katzen bei, die oft krank, unterernährt und von Parasiten befallen sind. Tierheime und Tierschutzvereine kämpfen jedes Jahr mit vielen ungewollten Kitten. Die Kastrationspflicht soll dieses Elend an der Wurzel bekämpfen.

Rechtslage in Österreich

Was das praktisch bedeutet:

Situation Kastration Pflicht?
Freigänger, Kater oder Kätzin ja
Bauernhofkatze mit Freigang ja
reine Wohnungskatze nein, aber empfohlen
Zuchtkatze einer gemeldeten Zucht mit Chip und Registrierung nein
„Hobbywurf“ ohne gemeldete Zucht ja, die Ausnahme gilt nicht

Wer gelegentlich einen Wurf aufziehen möchte, ohne die Zucht zu melden und die Katze zu registrieren, fällt nicht unter die Ausnahme. Die Zuchtmeldung ist mit weiteren Pflichten verbunden. Wie Chip und Registrierung funktionieren, erklärt der Ratgeber Katze chippen und in der Heimtierdatenbank registrieren.

Rechtslage in Deutschland

In Deutschland gibt es keine bundesweite Kastrationspflicht. Das Tierschutzgesetz erlaubt den Ländern aber, Gebiete festzulegen, in denen freilaufende Katzen kastriert, gekennzeichnet und registriert sein müssen. Viele Städte und Gemeinden haben solche Katzenschutzverordnungen erlassen. Ob an Ihrem Wohnort eine gilt, erfahren Sie bei der Gemeinde oder dem Veterinäramt.

Der richtige Zeitpunkt

Kätzinnen werden oft mit etwa vier bis sechs Monaten zum ersten Mal rollig, manche früher. Kater beginnen in einem ähnlichen Alter zu markieren. Viele Tierärztinnen und Tierärzte kastrieren deshalb um den Beginn der Geschlechtsreife, häufig mit etwa fünf bis sechs Monaten. Tierheime und manche Praxen kastrieren auch deutlich früher, wenn das Kitten gesund ist und ein ausreichendes Gewicht hat.

Entscheidend für Freigänger: Die Kastration muss vor dem ersten Freigang erfolgt sein. Ein Kitten, das schon mit vier Monaten draußen unterwegs ist, kann bereits trächtig werden. Ob Ihre Katze überhaupt hinaus soll, hilft der Ratgeber Freigang oder Wohnungshaltung? zu entscheiden.

Bei großen, spät ausgewachsenen Rassen wie der Maine Coon wird der Zeitpunkt manchmal anders abgewogen. Besprechen Sie das mit Ihrer Praxis, bei Kitten vom Züchter steht die Vereinbarung oft im Kaufvertrag.

Kastration oder Sterilisation?

Die Begriffe werden im Alltag oft vermischt, meinen aber Unterschiedliches:

  • Kastration: Die Keimdrüsen werden entfernt, also die Hoden beim Kater und die Eierstöcke bei der Kätzin. Damit fallen auch die Geschlechtshormone weg. Rolligkeit, Markieren und Streunen gehen in der Regel deutlich zurück.
  • Sterilisation: Nur Samen- oder Eileiter werden durchtrennt. Die Katze ist unfruchtbar, die Hormone bleiben aber, und mit ihnen Rolligkeit, Revierkämpfe und Markierverhalten.

Bei Katzen ist die Kastration der übliche Eingriff. Auch die österreichische Tierhaltungsverordnung spricht ausdrücklich von Kastration.

Ablauf der Kastration

Vorbereitung

Die Praxis gibt Ihnen vorab Anweisungen, meist soll die Katze einige Stunden vor dem Eingriff nichts mehr fressen. Bei Kitten ist die Nüchternzeit oft kürzer. Wasser ist in der Regel erlaubt. Halten Sie sich genau an die Vorgaben Ihrer Praxis. Transportieren Sie die Katze in einer sicheren Transportbox und planen Sie den Tag so, dass Sie sie nach dem Eingriff betreuen können.

Kater

Beim Kater werden unter Narkose beide Hoden über kleine Schnitte am Hodensack entfernt. Der Eingriff ist kurz, oft sind keine Fäden nötig. Die meisten Kater sind am nächsten Tag wieder munter.

Kätzin

Bei der Kätzin wird die Bauchhöhle eröffnet, entweder an der Flanke oder in der Bauchmitte. Entfernt werden die Eierstöcke, je nach Methode und Befund auch die Gebärmutter. Der Eingriff ist größer als beim Kater, die Wunde wird genäht. Ein Body oder ein Halskragen verhindert, dass die Katze an der Naht leckt. Nicht selbstauflösende Fäden werden nach etwa zehn bis vierzehn Tagen gezogen.

Kater Kätzin
Eingriff Hoden über kleine Schnitte Eröffnung der Bauchhöhle
Naht oft keine ja
Erholung meist ein bis zwei Tage etwa zehn bis vierzehn Tage bis zur Wundheilung
Kosten geringer höher, weil aufwendiger

Nach der Kastration

  • Ruhe und Wärme: Lassen Sie die Katze am Abend nach der Narkose in einem ruhigen, warmen Raum ohne Klettermöglichkeiten. Die Koordination kann noch eingeschränkt sein.
  • Futter: Erst nach Anweisung der Praxis, meist eine kleine Portion am Abend.
  • Wunde kontrollieren: täglich auf Rötung, Schwellung, Nässen oder offene Stellen prüfen.
  • Kein Freigang: bis die Wunde verheilt ist, bei Kätzinnen also in der Regel bis zum Fädenziehen.
  • Frisch kastrierte Kater: Halten Sie sie noch einige Wochen von unkastrierten Kätzinnen fern, weil sie kurz nach dem Eingriff noch zeugungsfähig sein können.

Rufen Sie die Praxis an, wenn die Katze am Tag nach dem Eingriff nicht frisst, die Wunde blutet oder stark anschwillt oder die Katze apathisch wirkt.

Gewicht im Blick behalten

Nach der Kastration sinkt der Energiebedarf spürbar, oft aber nicht der Appetit. Viele Katzen nehmen deshalb in den Monaten danach zu. Wiegen Sie Ihre Katze regelmäßig und passen Sie die Futtermenge frühzeitig an, bevor sich Übergewicht festsetzt. Wie Sie den Bedarf abschätzen, erklärt der Ratgeber Wie viel Futter braucht eine Katze?.

Häufige Irrtümer

  • „Kater müssen nicht kastriert werden, sie bekommen ja keine Jungen.“ Jeder unkastrierte Kater kann viele Würfe zeugen. Die österreichische Pflicht gilt deshalb ausdrücklich für beide Geschlechter.
  • „Eine Wohnungskatze kommt sowieso nie raus.“ Eine gekippte Balkontür oder ein offenes Fenster genügt. Rollige Kätzinnen und unkastrierte Kater versuchen oft hartnäckig zu entkommen.
  • „Die Kastration verändert den Charakter.“ Das Wesen der Katze bleibt. Was sich ändert, ist vor allem hormonell gesteuertes Verhalten wie Markieren, Schreien in der Rolligkeit und Revierkämpfe.
  • „Bauernhofkatzen regeln das selbst.“ Gerade dort entstehen oft große, kranke Populationen. Die Pflicht gilt auch für Katzen am Hof.

Kosten und Unterstützung

Eine Kastration ist bei der Kätzin teurer als beim Kater, weil der Eingriff aufwendiger ist. Feste Preise gibt es in Österreich nicht, jede Praxis kalkuliert selbst. Fragen Sie nach dem Gesamtpreis inklusive Narkose, Schmerzmittel, Nachkontrolle und gegebenenfalls Body oder Halskragen.

Für Streuner- und Bauernhofkatzen gibt es in manchen Bundesländern und Gemeinden immer wieder geförderte Kastrationsaktionen, oft in Zusammenarbeit mit Tierschutzvereinen. Ob und wann es solche Angebote gibt, erfahren Sie bei der Gemeinde, der Landesverwaltung oder einem örtlichen Tierschutzverein.

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Gilt die Kastrationspflicht auch für Wohnungskatzen?
Nein, die Pflicht betrifft Katzen mit regelmäßigem Zugang ins Freie. Für Wohnungskatzen ist eine Kastration trotzdem meist sinnvoll: Unkastrierte Kater markieren oft mit Urin, rollige Kätzinnen sind gestresst und laut, und eine entlaufene unkastrierte Katze kann sich unkontrolliert vermehren. Zählt ein gesicherter Garten oder ein Balkon als Freigang, klären Sie im Zweifel mit der Behörde.
Sollte eine Kätzin vor der Kastration einmal Junge bekommen?
Nein. Für die Gesundheit oder das Wesen der Katze bringt ein Wurf keinen Vorteil. Das ist ein verbreiteter Irrtum. Jeder ungeplante Wurf vergrößert dagegen die Zahl der Katzen, die kein Zuhause finden.
Wird eine kastrierte Katze dick und faul?
Nach der Kastration sinkt der Energiebedarf, während der Appetit oft gleich bleibt oder steigt. Wer die Futtermenge nicht anpasst, hat schnell eine übergewichtige Katze. Mit angepasster Menge und regelmäßigem Spiel bleibt eine kastrierte Katze schlank und aktiv. Am Charakter ändert die Kastration wenig, sexuell motiviertes Verhalten wie Markieren und Streunen nimmt aber meist ab.
Kann man eine rollige Katze kastrieren?
Grundsätzlich ja. Viele Praxen bevorzugen aber einen Termin außerhalb der Rolligkeit, weil die Gefäße an den Geschlechtsorganen dann stärker durchblutet sind. Ob ein sofortiger Termin oder ein Abwarten sinnvoller ist, entscheidet die Tierarztpraxis.

Zuletzt überarbeitet am 26. Oktober 2026.