Wie viel Futter braucht eine Katze?
Keine Grammzahl passt für alle: wie Sie den Energiebedarf Ihrer Katze abschätzen, den Body Condition Score lesen und die Menge nach Kastration oder im Alter anpassen.
Eine pauschale Grammzahl für alle Katzen gibt es nicht. Wie viel Ihre Katze fressen sollte, ergibt sich aus ihrem Energiebedarf und dem Energiegehalt des Futters. Als grobe Orientierung braucht eine erwachsene, kastrierte Wohnungskatze von etwa vier Kilogramm um die 200 Kilokalorien am Tag. Ob die Menge passt, zeigt nicht der Napf, sondern die Körperform: Rippen leicht fühlbar, aber nicht sichtbar, von oben eine angedeutete Taille.
Dieser Ratgeber zeigt, wie Sie den Bedarf abschätzen, den Body Condition Score lesen und die Menge in besonderen Lebensphasen anpassen. Die Grundlagen der Katzenernährung finden Sie unter Katzenernährung.
Was den Futterbedarf bestimmt
| Faktor | Wirkung auf den Bedarf |
|---|---|
| Idealgewicht | Grundlage jeder Berechnung, nicht das aktuelle Gewicht |
| Alter | Kitten brauchen pro Kilogramm ein Vielfaches, ältere Katzen oft wieder mehr |
| Kastration | senkt den Bedarf spürbar, der Appetit bleibt oft gleich |
| Aktivität | Freigänger und sehr verspielte Katzen brauchen mehr als ruhige Wohnungskatzen |
| Rasse und Körperbau | große Rassen wachsen länger, ruhige Rassen neigen zu Übergewicht |
| Futter | Energiegehalt pro 100 g schwankt stark zwischen Sorten und Futterformen |
| Gesundheit | Erkrankungen können den Bedarf erhöhen oder senken |
Gerade der letzte Punkt in der Tabelle wird oft unterschätzt: Zwei Nassfutter mit gleichem Dosengewicht können sehr unterschiedlich viele Kalorien liefern. Wer die Sorte wechselt, sollte die Menge deshalb neu prüfen.
Den Energiebedarf grob abschätzen
Tierärztinnen und Tierärzte rechnen häufig mit dem sogenannten Ruhebedarf (Resting Energy Requirement). Die gebräuchliche Formel lautet: 70 × Idealgewicht in Kilogramm hoch 0,75, Ergebnis in Kilokalorien pro Tag. Der tatsächliche Tagesbedarf ergibt sich, indem man diesen Wert je nach Lebenssituation mit einem Faktor multipliziert.
| Idealgewicht | Ruhebedarf, gerundet |
|---|---|
| 3 kg | etwa 160 kcal |
| 4 kg | etwa 200 kcal |
| 5 kg | etwa 235 kcal |
| 6 kg | etwa 270 kcal |
Für eine erwachsene, kastrierte Wohnungskatze liegt der Tagesbedarf oft in der Nähe dieses Ruhebedarfs oder leicht darüber, für aktive, unkastrierte Katzen höher. Diese Werte sind ein Startpunkt, keine exakte Vorgabe. Der Bedarf einzelner Katzen weicht deutlich ab.
Von Kalorien zu Gramm: Teilen Sie den Tagesbedarf durch den Energiegehalt des Futters. Steht auf der Packung etwa 90 kcal pro 100 g Nassfutter, entsprechen 200 kcal rund 220 g. Bei einem Trockenfutter mit etwa 380 kcal pro 100 g sind es nur gut 50 g. Fehlt die Angabe auf der Packung, nennt sie der Hersteller auf Nachfrage.
Body Condition Score: die Körperform lesen
Die Waage zeigt nur das Gewicht, nicht ob es passt. Tierärztliche Praxen nutzen deshalb den Body Condition Score (BCS), meist auf einer Skala von 1 bis 9. Sie können ihn zu Hause gut abschätzen.
| BCS | Einordnung | Woran Sie es erkennen |
|---|---|---|
| 1 bis 3 | zu dünn | Rippen, Wirbelsäule und Beckenknochen deutlich sichtbar oder sehr leicht fühlbar, kaum Fett |
| 4 bis 5 | ideal | Rippen unter einer dünnen Fettschicht gut fühlbar, Taille von oben erkennbar, kaum Bauchfett |
| 6 bis 7 | übergewichtig | Rippen nur mit Druck fühlbar, Taille kaum zu sehen, Fettpolster am Bauch |
| 8 bis 9 | stark übergewichtig | Rippen nicht fühlbar, keine Taille, deutlicher Hängebauch, Fett an Rücken und Gesicht |
Faustregel aus der Praxis: Jeder Punkt über dem Idealbereich entspricht grob zehn Prozent Übergewicht. Eine Katze mit BCS 7 wiegt also etwa ein Fünftel mehr, als sie sollte.
Ein lockerer Hautlappen am Bauch, der beim Laufen schwingt, ist übrigens nicht automatisch Fett. Viele Katzen haben diese sogenannte Bauchfalte auch bei Idealgewicht.
So finden Sie die richtige Menge
- Idealgewicht festlegen: gemeinsam mit der Tierarztpraxis, besonders wenn Ihre Katze schon zu viel oder zu wenig wiegt.
- Startmenge bestimmen: Herstellerangabe für das Idealgewicht oder Berechnung über den Energiebedarf.
- Abwiegen: Tagesmenge morgens mit der Küchenwaage abmessen, Leckerlis einrechnen.
- Kontrollieren: alle zwei bis vier Wochen wiegen und den BCS prüfen, die Werte notieren.
- Anpassen: bei Zu- oder Abnahme die Menge um etwa ein Zehntel ändern und erneut beobachten.
Ob Sie überwiegend Nass- oder Trockenfutter geben, spielt für die Menge eine große Rolle. Was beim Kombinieren zu beachten ist, steht im Ratgeber Nassfutter oder Trockenfutter?.
Besondere Situationen
Nach der Kastration
Kastrierte Katzen brauchen deutlich weniger Energie als unkastrierte, fressen aber oft genauso gern. In den Wochen nach dem Eingriff ist deshalb der wichtigste Zeitpunkt, die Menge anzupassen. Reduzieren Sie die Ration vorsorglich leicht und wiegen Sie Ihre Katze in den folgenden Monaten besonders regelmäßig.
Kitten
Kitten wachsen schnell und brauchen pro Kilogramm Körpergewicht viel mehr Energie als erwachsene Katzen. Sie bekommen spezielles Kittenfutter in mehreren kleinen Mahlzeiten am Tag. Große, spät ausgewachsene Rassen wie die Maine Coon brauchen länger energiereiches Futter. Die Umstellung auf Erwachsenenfutter besprechen Sie am besten mit der Tierarztpraxis.
Rassen mit Neigung zu Übergewicht
Ruhige, kompakte Rassen wie die Britisch Kurzhaar bewegen sich wenig und nehmen leicht zu. Bei ihnen lohnt es sich, von Anfang an abzuwiegen und Futter über Futterspiele zu verteilen, damit die Katze sich ihre Mahlzeit erarbeitet.
Seniorenkatzen
Ältere Katzen haben oft einen anderen Bedarf als im mittleren Alter. Manche nehmen ab, weil sie Futter schlechter verwerten, Zahnprobleme haben oder an einer Krankheit leiden, etwa der Nieren oder der Schilddrüse. Ein unerklärlicher Gewichtsverlust ist bei älteren Katzen immer ein Grund für einen Tierarztbesuch. Was bei der Pflege alter Katzen sonst wichtig ist, erklärt der Ratgeber Seniorenkatze: Pflege von alten Katzen.
Typische Fehler bei der Futtermenge
- Messbecher statt Waage: Schon eine leicht gehäufte Portion Trockenfutter kann den Tagesbedarf deutlich überschreiten.
- Fütterungsempfehlung für das aktuelle Gewicht: Bei einer übergewichtigen Katze hält das Übergewicht. Maßgeblich ist das Idealgewicht.
- Vergessene Extras: Leckerlis, Käsewürfel, Reste vom Teller oder Futter beim Nachbarn zählen mit.
- Napf immer voll: Freier Zugang zu Trockenfutter überfordert viele Wohnungskatzen.
- Keine Kontrolle: Wer nie wiegt, bemerkt eine schleichende Zunahme erst, wenn sie deutlich ist.
- Zu große Sprünge: Halbiert man die Ration plötzlich, wird die Katze unruhig und bettelt. Kleine Schritte funktionieren besser.
Abnehmen: sicher und langsam
Übergewicht ist bei Wohnungskatzen weit verbreitet und begünstigt Diabetes, Gelenkbeschwerden und andere Erkrankungen. Abnehmen ist sinnvoll, aber nur mit Plan.
- Ziel mit der Praxis festlegen: Idealgewicht und eine Tagesmenge, die darauf abgestimmt ist.
- Langsam reduzieren: üblich ist etwa ein Prozent des Körpergewichts pro Woche.
- Nie hungern lassen: Katzen, die mehrere Tage kaum fressen, können eine lebensgefährliche Leberverfettung entwickeln.
- Sättigung nutzen: Nassfutter und spezielle Diätfutter mit mehr Volumen und Ballaststoffen helfen, satt zu werden.
- Bewegung einbauen: mehrere kurze Spieleinheiten am Tag, Futter in Futterspielzeug.
- Regelmäßig wiegen: am besten alle ein bis zwei Wochen, zur gleichen Tageszeit.
Wichtig: Frisst Ihre Katze plötzlich deutlich mehr oder weniger als sonst, nimmt sie ohne Futteränderung ab oder trinkt sie auffällig viel, lassen Sie sie in der Tierarztpraxis untersuchen. Das sind keine Fragen der Futtermenge, sondern mögliche Krankheitszeichen.
Mehrkatzenhaushalt: wer frisst was?
In Haushalten mit mehreren Katzen frisst oft eine Katze mehr, als ihr zusteht, und eine andere zu wenig. Füttern Sie an getrennten Plätzen, beobachten Sie die Mahlzeiten und entfernen Sie Reste. Bei unterschiedlichem Bedarf helfen getrennte Räume während der Fütterung oder Futterautomaten, die sich nur für eine bestimmte Katze öffnen.
Fragen und Antworten
- Wie viele Mahlzeiten am Tag sind richtig?
- Katzen fressen in der Natur viele kleine Portionen. Erwachsene Katzen kommen gut mit zwei bis drei Mahlzeiten aus, besser verträglich sind oft mehrere kleine Portionen, etwa ergänzt durch Futterspielzeug. Kitten brauchen mehr und häufigere Mahlzeiten. Wichtig ist, dass die Tagesmenge insgesamt stimmt.
- Wie viele Leckerlis darf eine Katze bekommen?
- Als Faustregel sollten Snacks höchstens etwa ein Zehntel der täglichen Energie ausmachen. Ziehen Sie die Leckerlis von der Tagesration ab, besonders bei Katzen, die zum Zunehmen neigen. Ein Teil des normalen Trockenfutters eignet sich ebenfalls als Belohnung.
- Meine Katze bettelt ständig. Hat sie Hunger?
- Nicht unbedingt. Viele Katzen haben gelernt, dass Betteln zu Futter führt, oder langweilen sich. Feste Fütterungszeiten, Futterspiele und mehr Beschäftigung helfen oft. Frisst eine Katze plötzlich deutlich mehr als sonst und nimmt dabei sogar ab, kann eine Erkrankung wie eine Schilddrüsenüberfunktion oder Diabetes dahinterstecken. Dann ist ein Tierarztbesuch nötig.
- Wie schnell darf eine übergewichtige Katze abnehmen?
- Langsam. Üblich ist ein Ziel von etwa einem Prozent des Körpergewichts pro Woche, manche Programme erlauben etwas mehr. Eine Katze darf nie hungern, weil sonst eine lebensgefährliche Leberverfettung droht. Ein Abnehmplan sollte deshalb mit der Tierarztpraxis erstellt werden.
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Zuletzt überarbeitet am 26. Oktober 2026.