Kitten-Entwicklung Woche für Woche
Augen auf, erste Schritte, Spiel mit den Geschwistern: was in den ersten zwölf Wochen passiert, warum die Sozialisierung so wichtig ist und wie es danach weitergeht.
Kitten werden blind und mit verschlossenen Gehörgängen geboren und sind in den ersten zwei Wochen ganz auf die Mutter angewiesen. Mit ein bis zwei Wochen öffnen sich die Augen, ab etwa drei Wochen machen sie erste wackelige Schritte und beginnen zu spielen. Etwa zwischen der zweiten und der siebten Woche lernen sie, Menschen als vertraut zu erleben, mit rund acht Wochen sind sie weitgehend entwöhnt. Ins neue Zuhause ziehen sie meist mit etwa zwölf Wochen.
Die Wochenangaben in diesem Artikel sind Richtwerte. Kitten aus großen Würfen, Frühgeborene oder Flaschenkinder entwickeln sich oft etwas langsamer, ohne dass das ein Problem sein muss. Entscheidend ist, dass ein Kitten stetig zunimmt und Fortschritte macht. Wer ein Kitten adoptieren möchte, findet den Ablauf im Ratgeber Katze adoptieren.
Die Entwicklung im Überblick
| Alter | Was passiert | Worauf es ankommt |
|---|---|---|
| Woche 1 | trinken und schlafen, Augen und Ohren geschlossen | Wärme, Ruhe, tägliche Gewichtszunahme |
| Woche 2 | Augen öffnen sich, Gehörgänge öffnen sich | Augen sauber halten, Nest ungestört lassen |
| Woche 3 | erste Schritte, erste Milchzähne, Beginn der Sozialisierung | sanfter Kontakt zu Menschen |
| Woche 4 bis 5 | Spiel mit Geschwistern, erstes Interesse an Futter und Streu | Katzentoilette anbieten, viele neue Eindrücke |
| Woche 6 bis 7 | rennen, klettern, Raufspiele, Beißhemmung | Spielzeug, Alltagsgeräusche, verschiedene Menschen |
| Woche 8 | weitgehend entwöhnt, erste Impfung | Tierarzt-Check, Entwurmung nach Plan |
| Woche 9 bis 12 | soziale Feinheiten, zweite Impfung | weiter bei Mutter und Geschwistern lernen |
| ab Woche 12 | Umzug ins neue Zuhause | ruhiger Start, Impfplan fortführen |
Woche 1 und 2: ganz bei der Mutter
Neugeborene Kitten wiegen meist um die 100 Gramm. Sie können ihre Körpertemperatur noch nicht selbst halten und liegen deshalb eng an der Mutter und den Geschwistern. Ihr Alltag besteht aus Trinken und Schlafen. Urin und Kot setzen sie in dieser Zeit nur ab, wenn die Mutter sie durch Lecken anregt.
Ein gesundes Kitten nimmt täglich zu. Züchter und Pflegestellen wiegen die Kleinen deshalb in den ersten Wochen jeden Tag zur gleichen Zeit. Stagniert das Gewicht oder sinkt es, ist das ein frühes Warnzeichen.
Zwischen dem siebten und dem vierzehnten Tag öffnen sich die Augen. Sie sind zunächst bei allen Kitten blau und noch etwas trüb, scharf sehen können die Kleinen erst nach und nach. Etwa um dieselbe Zeit öffnen sich die Gehörgänge.
Woche 3: erste Schritte und der Beginn der Prägung
In der dritten Woche wird es lebhaft. Die Kitten stemmen sich auf die Beine und machen erste unsichere Schritte. Die ersten Milchzähne brechen durch. Sie nehmen ihre Geschwister bewusst wahr, fauchen schon und versuchen erste Spielbewegungen.
Jetzt beginnt die sensible Phase der Sozialisierung, die etwa bis zur siebten Woche reicht. Was Kitten in dieser Zeit als normal kennenlernen, nehmen sie später gelassener. Kitten, die in diesen Wochen regelmäßig und behutsam von verschiedenen Menschen angefasst werden, werden meist zutraulichere Katzen. Kitten, die diese Zeit ohne Menschenkontakt verbringen, etwa auf einem Bauernhof ohne Zuwendung, bleiben oft scheu.
Woche 4 und 5: Spiel, Futter und Katzentoilette
Mit vier Wochen erkunden die Kitten das Nest und dessen Umgebung. Sie spielen mit den Geschwistern, jagen Schwänze und Spielzeug und lernen dabei Körperbeherrschung. Gleichzeitig beginnen sie, sich für das Futter der Mutter zu interessieren und lecken erste Bissen Kittenfutter.
Auch der Toilettengang wird selbstständig. Kitten scharren in lockerem Untergrund und folgen der Mutter zur Katzentoilette. Eine flache Schale mit Streu in Nestnähe hilft dabei. Wie es nach dem Umzug mit der Sauberkeit weitergeht, beschreibt der Ratgeber Kitten stubenrein bekommen.
Woche 6 und 7: Toben und soziales Lernen
Jetzt rennen, klettern und raufen die Kitten ausgiebig. Im Spiel mit Geschwistern und Mutter lernen sie, wie fest sie zubeißen und kratzen dürfen. Beißt ein Kitten zu stark, quietscht der Spielpartner und bricht ab. Diese Beißhemmung ist eine der wichtigsten Lektionen, die ein Mensch später kaum ersetzen kann.
Gute Aufzuchten bieten in diesen Wochen viele Reize: unterschiedliche Untergründe, Alltagsgeräusche wie Staubsauger oder Türklingel, Besucher in verschiedenem Alter, die Transportbox als normalen Gegenstand. Das ist einer der Gründe, warum die Aufzucht im Wohnbereich und nicht in einem abgelegenen Raum stattfinden sollte. Woran Sie eine solche Zucht erkennen, erklärt der Ratgeber Seriöse Züchter erkennen.
Woche 8 bis 12: Entwöhnung und erste Impfungen
Mit etwa acht Wochen fressen die meisten Kitten selbstständig und sind weitgehend entwöhnt. Viele saugen trotzdem noch gelegentlich bei der Mutter. Um diese Zeit beginnt auch die Grundimmunisierung gegen Katzenseuche und Katzenschnupfen, häufig in der achten Lebenswoche, gefolgt von weiteren Terminen. Die Einzelheiten stehen im Ratgeber Katze impfen. Entwurmungen beginnen meist schon früher nach einem Plan der Tierarztpraxis.
Die Augenfarbe beginnt sich zu verändern. Bei vielen Kitten wird aus dem Babyblau nach und nach Grün, Gelb oder Kupfer, bei Colourpoint-Katzen wie der Heiligen Birma bleibt sie blau.
Die Wochen bis zur zwölften Woche wirken unspektakulär, sind aber wichtig. Kitten lernen in dieser Zeit weiter von Mutter und Geschwistern, wie Katzen miteinander kommunizieren, und festigen, was sie in der Sozialisierungsphase erlebt haben.
Warum der Auszug mit etwa zwölf Wochen
Seriöse Züchter, Zuchtvereine und Tierheime geben Kitten in der Regel mit etwa zwölf Wochen ab. Für diesen Zeitpunkt sprechen mehrere Gründe:
- Das Kitten ist sicher entwöhnt und frisst zuverlässig selbst.
- Die Grundimmunisierung ist begonnen, meist mit zwei Impfungen.
- Es hatte genug Zeit, Katzensprache und Beißhemmung zu lernen.
- Es ist körperlich robuster und verkraftet den Umzug besser.
Kitten, die mit sechs oder acht Wochen in Kleinanzeigen angeboten werden, stammen oft aus unkontrollierten Würfen oder aus Vermehrungen. Sie neigen häufiger zu Ängstlichkeit und Unsicherheit gegenüber Artgenossen. Ein zu junges Kitten ist ein deutliches Warnsignal beim Kauf.
Nach dem Umzug: drei bis zwölf Monate
Monat 3 bis 6: Das Kitten wächst schnell, ist neugierig und spielt viel. Zwischen etwa drei und sechs Monaten wechseln die Milchzähne zu den bleibenden Zähnen. Viele Kitten kauen in dieser Zeit verstärkt, und es kann vorkommen, dass Sie einen kleinen Zahn finden. Die letzten Impfungen der Grundimmunisierung stehen an.
Monat 4 bis 6: Viele Katzen werden in diesem Alter geschlechtsreif, manche früher. Kätzinnen werden erstmals rollig, Kater beginnen zu markieren. Die Kastration ist jetzt Thema, besonders vor einem ersten Freigang.
Monat 6 bis 12: Das Wachstum verlangsamt sich. Die meisten Katzen erreichen mit etwa einem Jahr annähernd ihre Endgröße. Große Rassen wie die Maine Coon wachsen bis ins dritte oder vierte Lebensjahr weiter. Im Verhalten bleibt die Katze oft noch bis ins zweite Jahr ein „Teenager“ mit viel Energie.
Warnzeichen in den ersten Wochen
Wenden Sie sich an eine Tierarztpraxis, wenn ein Kitten:
- nicht mehr trinkt oder frisst oder an Gewicht verliert,
- deutlich schwächer und ruhiger ist als die Geschwister,
- verklebte, eitrige Augen oder Nasenausfluss hat,
- Durchfall hat, besonders mit Blut oder über mehr als einen Tag,
- sich kalt anfühlt oder abseits vom Nest liegt.
Kitten haben nur geringe Reserven. Was bei einer erwachsenen Katze einen Tag Abwarten verträgt, kann bei einem Kitten schnell kritisch werden.
Fragen und Antworten
- Wann öffnen Kitten die Augen?
- Meist zwischen dem siebten und dem vierzehnten Lebenstag, nicht immer bei beiden Augen gleichzeitig. Alle Kitten haben zunächst blaue Augen. Die endgültige Augenfarbe entwickelt sich über die folgenden Wochen und Monate. Verklebte oder eitrige Augen sind nicht normal und sollten tierärztlich behandelt werden.
- Warum sollten Kitten erst mit zwölf Wochen abgegeben werden?
- In den Wochen nach der Entwöhnung lernen Kitten von Mutter und Geschwistern noch viel über Katzenkommunikation, Beißhemmung und Spielregeln. Außerdem ist die Grundimmunisierung bis dahin begonnen. Kitten, die zu früh von der Familie getrennt werden, gelten als häufiger ängstlich oder unsicher im Umgang mit Artgenossen. Das Abgabealter von etwa zwölf Wochen ist bei Zuchtvereinen und Tierheimen gängige Praxis.
- Ab wann fressen Kitten feste Nahrung?
- Etwa ab der vierten Woche interessieren sich Kitten für das Futter der Mutter. Der Übergang zu fester Nahrung verläuft schrittweise, mit etwa acht Wochen sind die meisten weitgehend entwöhnt. Viele saugen gelegentlich trotzdem noch, solange die Mutter es zulässt.
- Wann ist eine Katze ausgewachsen?
- Die meisten Katzen haben mit etwa einem Jahr annähernd ihre Endgröße erreicht. Große Rassen wie die Maine Coon wachsen deutlich länger, oft bis ins dritte oder vierte Lebensjahr. Auch das Verhalten reift: Viele Katzen werden erst im zweiten Lebensjahr ruhiger.
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Zuletzt überarbeitet am 26. Oktober 2026.