Warum schnurren Katzen?
Zufriedenheit, Betteln oder Selbstberuhigung: wie das Schnurren im Kehlkopf entsteht, was es in welcher Situation bedeutet und wann es ein Warnsignal sein kann.
Katzen schnurren vor allem, wenn sie sich wohl und sicher fühlen. Das Schnurren hat aber mehrere Bedeutungen: Katzen schnurren auch, um Futter oder Zuwendung einzufordern, und in belastenden Situationen wie bei Schmerzen, beim Tierarzt oder während der Geburt. Was es im Moment bedeutet, zeigt erst die übrige Körpersprache.
Einen Überblick über alle Signale von Schwanz, Ohren, Augen und Lauten finden Sie im Ratgeber Katzensprache verstehen. Hier geht es gezielt um das Schnurren: wie es entsteht, wann Katzen es einsetzen und wann Sie genauer hinschauen sollten.
Wie das Schnurren entsteht
Das Schnurren ist ein tiefes, gleichmäßiges Brummen, das beim Ein- und Ausatmen fast ohne Pause weiterläuft. Genau das unterscheidet es von den meisten anderen Lauten, die nur beim Ausatmen entstehen. Es liegt in einem sehr tiefen Frequenzbereich, man spürt es deshalb oft mehr, als man es hört, zum Beispiel als Vibration unter der Hand.
Die klassische Erklärung
Lange galt diese Erklärung als gesichert: Das Gehirn sendet in schneller Folge Impulse an die Kehlkopfmuskulatur. Die Muskeln ziehen sich rhythmisch zusammen und öffnen und schließen die Stimmritze. Die Luft, die dabei ein- und ausströmt, bringt das Gewebe in Schwingung und erzeugt das typische Brummen.
Neue Erkenntnisse aus Wien
Eine Forschungsgruppe der Universität Wien hat 2023 im Fachjournal Current Biology Ergebnisse veröffentlicht, die dieses Bild ergänzen. Die Forscher untersuchten Kehlköpfe von Hauskatzen und fanden, dass diese auch ohne Nervenimpulse in Schwingungen mit typischen Schnurrfrequenzen geraten können, wenn Luft hindurchströmt. Eine Rolle spielen dabei offenbar Polster aus Bindegewebe in den Stimmlippen, die das tiefe Schwingen ermöglichen.
Die Autoren schließen nicht aus, dass Muskeln beim lebenden Tier zusätzlich mitwirken. Die Studie zeigt aber, dass das Schnurren wahrscheinlich komplexer entsteht, als lange angenommen. Ganz geklärt ist der Mechanismus bis heute nicht.
Schnurren auch Großkatzen?
Schnurren ist nicht auf Hauskatzen beschränkt. Auch viele andere kleinere Katzenarten schnurren, ebenso etwa Gepard und Puma. Großkatzen wie Löwe und Tiger sind dagegen für ihr Brüllen bekannt und schnurren nicht in der gleichmäßigen Art einer Hauskatze.
Was Schnurren bedeutet
Schnurren ist ein Signal mit mehreren Bedeutungen. Die Situation und die übrige Körpersprache helfen beim Deuten.
| Situation | Typische Körpersprache | Wahrscheinliche Bedeutung |
|---|---|---|
| beim Streicheln, auf dem Schoß | entspannter Körper, halb geschlossene Augen, langsames Blinzeln | Wohlbefinden, Vertrauen |
| beim Dösen in der Sonne | lockere Liegeposition, ruhige Atmung | Entspannung |
| morgens vor dem Futternapf | Umherstreichen, Köpfchengeben, dazwischen Miauen | Bitte um Futter oder Aufmerksamkeit |
| beim Säugen | Mutter liegt entspannt, Kitten treteln | Verständigung zwischen Mutter und Jungen |
| beim Tierarzt | geduckt, angelegte Ohren, große Pupillen | Stress, Selbstberuhigung |
| bei Krankheit | Rückzug, kein Appetit, gekrümmte Haltung | Unwohlsein, Schmerz, Selbstberuhigung |
Wohlbefinden und Vertrauen
Die häufigste Form ist das zufriedene Schnurren beim Kuscheln, Streicheln oder Dösen. Oft kommen weitere Zeichen hinzu: Treteln mit den Vorderpfoten, halb geschlossene Augen, ein langsames Blinzeln, ein entspannt liegender Schwanz. Katzen zeigen damit, dass sie sich sicher fühlen.
Kommunikation zwischen Mutter und Kitten
Kitten schnurren schon in den ersten Lebenstagen beim Saugen, die Mutterkatze schnurrt beim Säugen ebenfalls. Weil Kitten in den ersten Tagen blind und taub sind, die Vibration aber spüren, gilt Schnurren als frühe Form der Verständigung: „Alles ist in Ordnung, ich bin da.“ Das Treteln erwachsener Katzen auf weichen Decken oder dem Schoß wird häufig als Überbleibsel dieser Saugphase gedeutet.
Bettelschnurren
Viele Halter kennen das morgendliche Schnurren am Bett, das erst aufhört, wenn der Napf gefüllt ist. Forschende der University of Sussex haben 2009 beschrieben, dass manche Katzen in dieses Schnurren einen höheren, klagenden Ton mischen, der an Babyschreien erinnert. Menschen empfanden solche Aufnahmen in Versuchen als dringlicher und unangenehmer als normales Schnurren. Die Katze nutzt also ein freundliches Signal und verstärkt es gezielt, wenn sie etwas möchte.
Selbstberuhigung bei Stress und Schmerz
Katzen schnurren auch in Situationen, die alles andere als angenehm sind: auf dem Behandlungstisch, nach einem Unfall, während der Geburt oder bei schwerer Krankheit. Man vermutet, dass Schnurren dann beruhigend wirkt, auf die Katze selbst und möglicherweise auch als beschwichtigendes Signal an andere.
Dazu kommt eine Vermutung, die immer wieder zu lesen ist: Die tiefen Frequenzen des Schnurrens könnten die Heilung von Knochen und Gewebe fördern. Diese Idee beruht darauf, dass ähnliche Frequenzen in der Medizin bei Vibrationstherapien untersucht werden. Für Katzen ist ein solcher Heileffekt nicht belegt. Er ist eine interessante Hypothese, aber kein Grund, eine kranke Katze nicht behandeln zu lassen.
Die Begleitsignale: Treteln, Köpfchengeben, Blinzeln
Schnurren tritt selten allein auf. Oft kommen weitere freundliche Signale hinzu, die das Bild vervollständigen:
| Signal | Was die Katze tut | Typische Bedeutung |
|---|---|---|
| Treteln | drückt abwechselnd mit den Vorderpfoten auf eine weiche Unterlage | Wohlbefinden, Erinnerung an die Saugphase |
| Köpfchengeben | reibt Kopf oder Wangen an Mensch, Möbeln oder anderen Katzen | Zuneigung, Duftmarkierung, Zugehörigkeit |
| Langsames Blinzeln | schließt die Augen halb und öffnet sie langsam | Vertrauen, entspannte Stimmung |
| Aufgestellter Schwanz | Schwanz senkrecht nach oben, Spitze leicht gebogen | freundliche Begrüßung |
Wenn Ihre Katze schnurrt, tretelt und Sie langsam anblinzelt, ist die Botschaft eindeutig. Sie können das langsame Blinzeln übrigens erwidern. Viele Katzen reagieren darauf ihrerseits mit einem Blinzeln.
Wann Schnurren ein Warnsignal ist
Weil Katzen Schmerzen oft lange verbergen, kann das Schnurren täuschen. Eine Katze, die schnurrt, ist nicht automatisch gesund. Achten Sie auf diese Kombinationen:
- Schnurren zusammen mit Rückzug, etwa an ungewohnte Verstecke,
- Schnurren bei Appetitlosigkeit oder auffälligem Trinkverhalten,
- Schnurren mit gekrümmter Haltung, eingezogenem Bauch oder Zusammenkauern,
- Schnurren mit schneller Atmung oder Atmen mit offenem Maul,
- ungewohntes Schnurren bei einer Katze, die sonst selten schnurrt, ohne erkennbaren Anlass.
Wichtig: Wenn Ihre Katze schnurrt und gleichzeitig nicht frisst, sich zurückzieht, schwer atmet oder sich auffällig verhält, lassen Sie das tierärztlich abklären. Atemnot und Atmen mit offenem Maul sind ein Notfall. Mehr zu Warnzeichen steht unter Katzengesundheit.
Unterschiede zwischen Katzen
Nicht jede Katze schnurrt gleich. Manche schnurren laut und ausdauernd, andere so leise, dass man es nur spürt, wenn man die Hand an Hals oder Brust legt. Einige Katzen schnurren selten und sind trotzdem zufrieden. Das sagt nichts über die Bindung zu Ihnen aus. Auffällig ist vor allem eine Veränderung: Eine Katze, die plötzlich deutlich mehr oder gar nicht mehr schnurrt, verdient einen genaueren Blick.
Auch das Alter spielt eine Rolle. Kitten schnurren oft ausdauernd beim Saugen und Kuscheln, ältere Katzen schnurren manchmal mehr, wenn sie Schmerzen in den Gelenken haben. Wer seine Katze gut kennt, bemerkt solche Unterschiede früh.
Schnurren im Alltag lesen
Ein paar einfache Gewohnheiten helfen, das Schnurren richtig einzuordnen:
- Auf den ganzen Körper achten: Ohren, Augen, Schwanz und Haltung ergänzen das Signal.
- Die Situation mitdenken: Schnurren beim Kuscheln bedeutet etwas anderes als Schnurren beim Tierarzt.
- Veränderungen ernst nehmen: Neues, ungewohntes Schnurren zusammen mit anderen Auffälligkeiten ist ein Anlass zur Abklärung.
- Grenzen respektieren: Auch eine schnurrende Katze kann genug vom Streicheln haben. Ein zuckender Schwanz oder ein Zucken im Rückenfell sind Signale zum Aufhören.
Wie Sie Wohnung, Beschäftigung und Alltag rund um Ihre Katze gestalten, damit sie möglichst oft aus Zufriedenheit schnurrt, lesen Sie in der Übersicht Katzenhaltung.
Fragen und Antworten
- Schnurren Katzen nur, wenn sie glücklich sind?
- Nein. Meist zeigt Schnurren Wohlbefinden, Katzen schnurren aber auch bei Stress, Schmerzen, beim Tierarzt oder kurz vor der Geburt. Man vermutet, dass das Schnurren dann beruhigend wirkt. Ob eine Katze zufrieden ist, erkennen Sie erst zusammen mit Körperhaltung, Augen und Verhalten.
- Wie schnurren Katzen?
- Das Geräusch entsteht im Kehlkopf. Lange galt, dass schnelle Muskelbewegungen die Stimmritze im Takt öffnen und schließen, beim Ein- und Ausatmen. Eine Studie der Universität Wien aus dem Jahr 2023 zeigte, dass der Kehlkopf von Hauskatzen Schnurrfrequenzen auch ohne Nervenimpulse erzeugen kann. Der genaue Mechanismus ist damit wohl komplexer als lange angenommen.
- Ab wann schnurren Kitten?
- Kitten schnurren schon in den ersten Lebenstagen, etwa beim Saugen. Auch die Mutterkatze schnurrt beim Säugen. Man nimmt an, dass Schnurren in dieser Phase der Verständigung zwischen Mutter und Jungen dient, weil Kitten anfangs noch blind und taub sind, die Vibration aber spüren.
- Kann Schnurren heilen?
- Das ist eine verbreitete Vermutung. Weil Schnurrfrequenzen in einem Bereich liegen, der in der Medizin bei Vibrationstherapien untersucht wird, wurde vermutet, Schnurren könne Knochen und Gewebe der Katze stärken. Belegt ist das nicht. Eine schnurrende kranke Katze braucht deshalb trotzdem tierärztliche Hilfe.
Weiterlesen
- Katzensprache
Schwanz, Ohren, Augen, Laute: was Ihre Katze Ihnen mitteilen will und wie Sie ihre Signale richtig deuten.
- Katzengesundheit
Impfschutz, Kastration, Chip, jährliche Vorsorge und die wichtigsten Erbkrankheiten bei Rassekatzen, mit der Rechtslage in Österreich und Deutschland.
- Katzenhaltung
Wohnung oder Freigang, Klo und Kratzbaum, Spiel und Gesellschaft: die Grundlagen für ein entspanntes Zusammenleben mit Katze.
Zuletzt überarbeitet am 26. Oktober 2026.